Geschichte

Im Jahr 1987 entstand auf Initiative des Cottbuser Ingenieurs Peter Model die Umweltgruppe Cottbus – offener Arbeitskreis der katholischen und evangelischen Kirchen (UGC). Als Teil der oppositionellen Bürgerbewegung in der DDR konnte sie nur unter dem Schutz der Kirche tätig sein, war mit anderen Gruppen des Landes vernetzt und wurde intensiv von der Staatssicherheit überwacht. Vorträge und Diskussionen in der Cottbuser Schlosskirche (heute Synagoge) fanden steigenden Zulauf. Die Umweltgruppe beobachtete die Kommunalwahlen in Cottbus im Mai 1989 und reichte anschließend eine Anzeige wegen Wahlfälschung ein. Im Januar 1990 waren UGC-Aktive maßgeblich an der Übernahme de Cottbuser Stasi-Geländes durch ein Bürgerkomitee beteiligt, mit der die Vernichtung der verbliebenen Akten verhindert werden sollte. Im Jahr 2014 wurde unweit des ehemaligen Stasi-Geländes eine Straße nach Peter Model benannt, der bereits 1993 verstorben ist. 

 

3.1989 umweltmarkt DSC02406Bei der Gründung eines eingetragenen Vereins 1990 erfolgte die Vereinigung mit der AG Stadtökologie Cottbus. Der Umweltgruppe Cottbus e.V. wurde Teil des im Februar 1990 gegründeten Dachverbands GRÜNE LIGA, der auch ein Regionalbüro in Cottbus betrieb, in dem sich vor allem Annette Grunwald intensiv dem Kampf gegen die Abbaggerung von Horno, Lacoma, Steinitz und Proschim widmete. Zugleich wurden aus der Umweltgruppe heraus sowohl die Verbrauchergemeinschaft „Rübchen“ als auch der noch heute bestehende Eine-Welt-Laden gegründet. Lange bevor Internet und E-Mail üblich wurden, hielt ein liebevoll gestalteter monatlicher Rundbrief umweltbewegte Cottbuser*innen auf dem Laufenden.


Die Umweltgruppe begleitete über viele Jahre den Widerstand gegen die Abbaggerung der Lacomaer Teiche vor den Toren der Stadt (siehe Bild links), wo seit 1992 Studenten und Umweltaktivisten eine Neubesiedlung des bereits überwiegend verlassenen Dorfes wagten. Vom Landschaftsplan der Stadt wurden 1996 nur die Lacomaer Teiche und der Branitzer Park als "kulturhistorisch geprägte Bereiche mit höchster Wertigkeit für Natur und Image der Stadt" bewertet. Das hinderte die Landesregierung und den Bergbaubetrieb LAUBAG (später Vattenfall, heute LEAG) nicht daran, die Zerstörung des Teichgebietes voranzutreiben und schließlich mit Polizeigewalt durchzusetzen.


Einige Lacoma-Aktive sind danach dauerhaft zur UGC gestoßen und brachten sich sofort in die im Frühjahr 2007 beginnende Diskussion um neue Kohletagebaue in der Lausitz ein. Als erste begannen wir, die Menschen in den betroffenen Dörfern zu vernetzen. Es folgten regelmäßige gemeinsame Aktionen wie seit 2008 der Sternmarsch zum Jahresauftakt, seit 2011 der Reformationstag in Atterwasch oder seit 2012 der Ostermarsch in Rohne. Auch die seit 2011 in der Lausitz stattfindenden Klimacamps wurden von UGC-Mitgliedern aktiv mitgestaltet. Nach zehn Jahren beharrlichen gemeinsamen Widerstands gab der LEAG-Konzern im März 2017 die Abbaggerung von Grabko, Kerkwitz, Atterwasch, Rohne, Mulkwitz und der Tagebaue Spremberg-Ost und Bagenz-Ost auf. Doch noch immer droht Dörfern wie Proschim die Umsiedlung, zerstören die Gruben den Wasserhaushalt der Region und drohen langfristige Folgeschäden auf den Steuerzahler abgewälzt zu werden. Ein schrittweiser, aber rechtzeitiger Ausstieg aus der Braunkohle muss erst noch durchgesetzt werden. Gleichzeitig verschärfen sich andere Konflikte wie beispielsweise der um die Folgen industrialisierter Landwirtschaft.
Im Herbst 2017 feierte die Umweltgruppe ihr dreißigjähriges Bestehen. Einige Mitglieder aus der Gründungszeit der UGC sind bis heute dabei, viele neue Gesichter sind im Laufe der Jahre dazugekommen.

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